Hans-Werner Scherer, Vorsitzender der Geschäftsführung der EOS Gruppe, hat die Entwicklung des Unternehmens zu einem internationalen Konzern von Anfang an mit geprägt.

Auslöser waren Überlegungen unserer Muttergesellschaft im Jahr 1996. Unter dem damaligen Finanzvorstand Dr. Michael E. Crüsemann entstand die Idee, alle Finanzdienstleistungen der Otto Group, die aus Versicherungs-, Bank- und Inkassodienstleistungen bestand, unter einem Dach zu vermarkten. Die Bündelung sollte Transparenz schaffen und dem Kunden eine Übersicht ermöglichen. Ich erinnere mich noch an den Arbeitstitel: Financial Services International, kurz FSI.
Im Verlauf des Projektes stellte sich heraus, dass sich die Vertriebsansätze in den drei Geschäftsfeldern sehr unterschieden. Hinzu kam, dass wir schon damals unser Serviceportfolio kontinuierlich erweiterten, etwa mit dem Kauf von Anteilen an der Wirtschaftsauskunftei BÜRGEL. Wir erkannten, dass eine eigenständige Gruppe, die sich auf Dienstleistungen rund um den Cashflow in Unternehmen spezialisiert, viel Potenzial bot. So beschloss man, von der ursprünglichen Idee abzurücken und uns einen eigenen Weg gehen zu lassen. 1998 riefen wir einen zentralen Marketingbereich ins Leben, um die Strategie von Anfang an professionell umzusetzen. Unsere Kunden sollten auf den ersten Blick erkennen, mit welchem Unternehmen sie zusammenarbeiten. Wir brauchten eine eigene Marke und haben die Namensfrage erneut aufgeworfen. Es gab eine Reihe von Vorschlägen, über die die damaligen Geschäftsführer der Tochtergesellschaften gemeinschaftlich abgestimmt haben. So wurden wir zu EOS.
Der Name EOS war ein Geniestreich – auch, wenn wir gar nicht Bezug auf die Namensgeberin, die Göttin der Morgenröte, nehmen. Der große Vorteil des Namens ist aus meiner Sicht seine Neutralität. Wenn man „EOS“ hört, erweckt das keine Assoziationen, es entstehen keine Bilder. So haben wir die Chance, den Namen selbst zu prägen und uns klar von unseren Mitbewerbern abzuheben. Das gelingt auch, wie uns viele Kunden zurückspielen.
Für mich ist das stetige Wachstum der letzten zehn Jahre unser größter Erfolg. Wir werden international wahrgenommen. Wenn man in Europa über Finanzdienstleistungen spricht, spricht man auch über EOS. Das Label EOS ist eine Erfolgsstory. Durch die Einführung der Marke für die Gruppe konnten wir besser auf größere Kunden zugehen. Denn international gilt der Leitsatz: Big companies get big clients, small companies get small clients. Die Entwicklung der Marke EOS und der Werte, für die EOS steht, hat im großen Maße dazu beigetragen, die hohe Qualität der Arbeit der Einzelgesellschaften zu vermarkten.
Stolz trifft es nicht ganz: Ein besonderer Gewinn ist für mich das Arbeiten im internationalen Kontext. Ich empfinde die Aufgabe, mit Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammenzuarbeiten, als sehr bereichernd. Jede Kultur, jedes Land birgt individuelle Eigenarten, die man kennenlernen und akzeptieren muss. Ich bin davon überzeugt, dass die Gruppe aus kultureller Sicht von jeder Akquisition profitiert. Sei es, dass uns die Amerikaner nach dem Kauf von Collecto im Jahr 2001 eindringliche Vorträge über die Bedeutung des Vertriebes gehalten haben. Oder sei es, dass wir von den Osteuropäern der KSI und der Matrix Gruppe einiges über Flexibilität und über den Umgang mit Veränderungen lernen konnten. Insofern ist die Rolle, die mir zuteil wurde, nämlich EOS zu entwickeln, auch für mich ganz persönlich ein Glücksfall.